Multitasking – der große Mythos im Büroalltag

Schnell die Mails checken, während das Meeting läuft, und nebenbei noch die Präsentation fertigstellen – klingt produktiv, oder? Tatsächlich ist Multitasking eine der hartnäckigsten Illusionen unserer Arbeitswelt. Was wirklich hinter dem Phänomen steckt und warum dein Gehirn dabei auf Hochtouren leidet.

Wer glaubt, mehrere Dinge wirklich gleichzeitig zu erledigen, täuscht sich. Unser Gehirn ist kein Parallelrechner – es kann jeweils nur eine kognitive Aufgabe auf einmal verarbeiten. Was wir als Multitasking erleben, ist in Wirklichkeit ein ständiges Hin- und Herspringen zwischen Aufgaben. Und jeder dieser Wechsel kostet Zeit und Energie. 

Was passiert im Gehirn? 

Der präfrontale Kortex – zuständig für Planung, Konzentration und Entscheidungen – muss sich bei jedem Aufgabenwechsel neu ausrichten. Dabei entstehen sogenannte Wechselkosten: Das Gehirn braucht einen Moment, um den vorherigen Kontext abzulegen und den neuen aufzubauen. Studien zeigen, dass uns dieses Hin- und Herspringen bis zu 40 Prozent unserer eigentlichen Leistungsfähigkeit kostet – ohne dass wir es merken. 

Dazu kommt: Je komplexer die Aufgaben, desto teurer der Wechsel. Wer zwischen einer kreativen Aufgabe und administrativer Arbeit springt, zahlt einen besonders hohen kognitiven Preis. 

Die Folgen im Alltag 

Dauerhaftes Multitasking hinterlässt Spuren – und zwar nicht nur im Feierabend-Erschöpfungsgefühl: 

  • Flüchtigkeitsfehler häufen sich 

  • Die Qualität von Entscheidungen sinkt 

  • Das Stressniveau steigt messbar 

  • Kreativität und tiefes Denken bleiben auf der Strecke 

  • Langfristig kann chronisches Multitasking die Konzentrationsfähigkeit dauerhaft beeinträchtigen 

Was wirklich hilft 

Die gute Nachricht: Du kannst gegensteuern. Mit ein paar einfachen Strategien schützt du dein Gehirn und arbeitest produktiver: 

  • Aufgaben bündeln: Ähnliche Tätigkeiten wie E-Mails beantworten oder Telefonate in feste Zeitfenster legen 

  • Benachrichtigungen abschalten: Jede Benachrichtigung ist eine potenzielle Unterbrechung – und kostet dein Gehirn wertvolle Ressourcen 

  • Fokuszeiten einplanen: Reserviere täglich feste Blöcke für konzentriertes Arbeiten – mindestens 60 bis 90 Minuten am Stück 

  • Eine Aufgabe zu Ende bringen: Klingt simpel, ist es aber nicht immer. Übe bewusst, Dinge abzuschließen, bevor du zum nächsten springst 

Dein Gehirn wird es dir danken – mit mehr Energie, weniger Fehlern und einem Feierabend, nach dem du dich auch wirklich erholt fühlst. 

Quellen und weiterführende Informationen:https://www.psychologie-heute.de/multitaskinghttps://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7075496