Stress ist zunächst positiv, erst das Übermaß macht krank. Er ist eine natürliche Reaktion des Körpers auf Druck, Spannung oder Veränderung.
Stress kann aber krank machen, wenn die Beanspruchungen übermäßig sind, wenn sich der Körper fast ständig in erhöhter Alarmbereitschaft befindet.
Wir leben in einer Zeit, in der Hektik und Stress immer mehr zunehmen. Es gehört fast schon zum guten Ton, gestresst zu sein. Untersuchungen belegen, dass destruktiver Stress zu einem der größten Gesundheitsrisiken in der modernen Arbeitswelt geworden ist. Doch nicht nur Manager sind gestresst, Hausfrauen, Schüler, Sportler, Arbeiter, selbst Rentner sind es gleichermaßen.
Ungelöste Konflikte beschäftigen und belasten uns, wir kommen mit Mitmenschen nicht zurecht, Arbeiten wachsen uns über den Kopf, wir ängstigen uns über die Gegenwart und vor der Zukunft. Uns werden täglich Aktionen und Reaktionen abverlangt, die ungewöhnlich sind. Wir müssen uns beispielsweise nach Zeitplänen richten, sind dauernd in Eile und müssen effizient sein. Viele Menschen sind mit ihrer familiären, beruflichen Situation unzufrieden. Sie sind zerfressen von Neid auf Besitz und Erfolg, machen sich selber krank mit ihrer Missgunst.
Auch bei kritischen Lebensereignissen gerät der Mensch unter Stress. Wenn sich das Gewohnte plötzlich ändert, die Lebenssituation nicht mehr die Gleiche ist und der Mensch sich an neue Situationen anpassen muss.
Stress bewirkt, dass der Körper alle verfügbaren Kraftreserven mobilisiert und dadurch Höchstleistungen erbringen kann. Früher, als es noch um das Überleben in der Wildnis ging, war diese Reaktion lebenswichtig. In Gefahrensituationen hieß die Frage: Kampf oder Flucht. In Stress- oder Gefahrensituationen schüttet der Körper Katecholamine (z.B. Adrenalin) und Kortisol aus und bewirkt beispielsweise eine erhöhte Durchblutung der Herz- und Skelettmuskulatur, die Wahrnehmung wird verbessert und die Versorgung mit Energie in Form von Zucker (Glukose) erhöht. Diese Reaktion auf aktuelle Gefahrensituationen ist physiologisch sinnvoll.
Eine gewisse Dosis an Stress kann das Leben interessanter und weniger langweilig machen. Man nennt dies Eustress. Beim "guten Stress" kommt der Organismus nach einer Stressphase von begrenzter Dauer wieder zur Ruhe. Wenn diese Stresssituation und -reaktion aber andauert, spricht man auch von "schlechtem Stress" oder Distress.
Zu viel Stress kann schädlich sein und Krankheiten oder Unfälle verursachen. Es ist wichtig, Stresssymptome erkennen zu können und wenn nötig Schritte gegen schädlichen Stress (Distress) zu unternehmen. Häufigkeit, Vielfalt, Dauer sowie die persönliche Bewertung der Situation entscheidet, was als Stress erlebt wird.
Im Normalfall ist Stress nur ein kurzfristiger Zustand und schadet deshalb nicht. Beim Nachlassen der Gefahr oder der Stresssituation lassen auch die Stressreaktionen des Körpers wieder nach. Gefährlich wird es allerdings, wenn aus dem kurzfristigen Stressgefühl ein dauerhafter Stress wird.
Viele Menschen leiden unter chronischem Stress. Eine typische Begleiterscheinung von Dauerstress ist, dass wir das Gefühl haben, unser Leben nicht mehr richtig unter Kontrolle zu haben. Bereits die kleinsten Dinge bringen dann das Fass zum Überlaufen. Dauerstress lähmt uns und je weniger wir an Arbeit bewältigen können, desto schwerer fällt es uns, einmal wirklich zu entspannen und auszuruhen. Wir treiben uns immer weiter zur Leistung an und finden keine Erholung. Das ist die typische Stressspirale, bei der Stress noch weiteren Stress hervorbringt.
Wenn ein Mensch im Dauerstress steht, können daraus Krankheiten entstehen. Diese können sich entweder in psychischen Störungen oder in körperlichen Erkrankungen zeigen. Im Bereich der Psyche treten häufig Depressionen, das Gefühl des Ausgebranntseins (Burn Out) und Angststörungen auf. Körperlich kann sich der Dauerstress beispielsweise in Kopf- und Rückenschmerzen, Schlafstörungen, Magengeschwüren und Herz-Kreislauferkrankungen äußern. "Stressrauchen", "Stresstrinken" und Medikamentenmissbrauch sind häufige Reaktionen auf chronische Überlastung. Häufig tritt auch eine gesteigerte Aggressivität auf.
Psychologisch fundierte Stressbewältigung umfasst sowohl Maßnahmen, um Stress besser zu umgehen, als auch Maßnahmen, um besser mit Stress umzugehen. Beide Arten von Stressbewältigung greifen ineinander und überlappen miteinander. So helfen z.B. Problemlösetechniken einerseits, Belastungssituationen zu vermeiden, andererseits aber auch, unter Belastung aufgetretenen Stress und seine Folgen zu beseitigen. Auch Entspannungstechniken erhöhen nicht nur die Fähigkeit, belastende Situationen stressfreier zu erleben, sondern andererseits auch die Fähigkeit, aufgetretenen Stress effizienter wieder abzubauen. Problemlösetechniken und Entspannungsverfahren gehören daher meist ebenso zu systematischen Stressbewältigungsprogrammen wie Techniken zur Einstellungs- und Verhaltensänderung, insbesondere zur Veränderung des inneren Dialogs.
Erste-Hilfe-Techniken für akute Stresssituationen, Zeitmanagement-Techniken, Maßnahmen zur Verbesserung zwischenmenschlicher Beziehungen und zur Erhöhung der Widerstandskraft gegen Stress durch Bewegung, befriedigende Freizeitaktivitäten, gesundes Essen, Trinken und Schlafen sind oft weitere Bestandteile solcher Programme.